Das Wichtigste in Kürze

  • PLAYMOBIL hi! ist ein Lautsprecher-Rucksack für Playmobil-Figuren: Er erkennt Sticker in der Spielwelt und spielt dazu Geräusche, Sätze und kurze Geschichten ab, ohne Bildschirm.
  • Seit Anfang Oktober 2026 gibt es vier Welten: Piraten, Polizei, Reiterhof und Zoo.
  • Komplettsets kosten 179,99 bis 189,99 Euro UVP; wer das Spielset schon hat, braucht nur das Activation Set für 89,99 Euro.
  • Empfohlen ab sechs Jahren; die App braucht man nur zum Einrichten, weitere Inhalte sollen sich darüber kaufen lassen.

Die Figur schleicht über das Deck, erreicht die Kanone, und plötzlich kracht es. Dann ruft eine Stimme zur Schatzsuche. So klingt PLAYMOBIL hi!: Ein kleiner Lautsprecher sitzt auf dem Rücken einer Figur und reagiert auf Sticker in der Spielwelt. Seit Anfang Oktober gibt es das System für vier Welten, Piraten, Polizei, Zoo und Reiterhof. In der Pressemitteilung vom 20. Oktober beschreibt der Hersteller es als Technik, die das Spiel anstoßen soll, statt es auf einen Bildschirm zu verlagern.

Neu ist vor allem der Ort, an dem der Ton entsteht. Hörspiele für Kinder kennt man vom Lautsprecher im Regal oder vom Kopfhörer; Playmobil vertreibt mit Kekz bereits einen solchen Kopfhörer, entwickelt von einem eigenständigen Unternehmen aus München. Bei hi! dagegen spricht die Figur, die gerade durch die Szene läuft, und zwar dort, wo sie steht.

So funktioniert hi!

Das System besteht aus vier Teilen: dem Audio-Rucksack, einem Heft mit zehn magischen Stickern für die jeweilige Welt, einer passenden Playmobil-Spielwelt und einer App (App Store, Google Play). Die Sticker klebt man nach der Anleitung im Heft an Schiff, Gehege oder Wache. Kommt die Figur mit dem Rucksack von vorn auf etwa drei Zentimeter heran, erkennt der Lautsprecher den Sticker per NFC und spielt einen passenden Ton, Satz oder kleinen Auftritt ab.

Playmobil-Piratenfigur mit braunem Audio-Rucksack und blauen Gurten
Der Rucksack wird mit Gurten an der Figur befestigt, die Hülle passt zur jeweiligen Welt. Pressebild: © PLAYMOBIL.

Was dabei zu hören ist, hängt von der gewählten Spielvariante ab. Die Produktseite nennt vier, und sie unterscheiden sich vor allem darin, wie viel das Kind selbst lenkt:

  • Abenteuer: offene Spielsituationen mit kurzen Audio-Anstößen. Das Kind erkundet frei und lässt sich überraschen. In diesem Modus startet der Rucksack nach dem Einschalten immer.
  • Ideen: kurze Vorschläge, die das Spiel in eine neue Richtung lenken, etwa wenn ein neues Abenteuer beginnen soll.
  • Geschichten: Hörspielszenen, „so lang wie eine Tasse Kakao“. Hier hört das Kind vor allem zu; die Pressemitteilung spricht von Hörspielen „zum Zuhören und gemeinsamen Mitspielen“.
  • Games: Spiele, Quizze, Rätsel und interaktive Geschichten, in denen Kinder laut Pressemitteilung Entscheidungen treffen und den Verlauf mitgestalten.

Gewechselt wird laut interaktiver Anleitung über einen eigenen Navigationssticker mit drei Strichen: Kommt die Figur mit dem Rucksack an ihn heran, wechselt der Rucksack die Spielvariante, mitten im Spiel und ohne Smartphone. Die übrigen Sticker legen also nicht fest, was zu hören ist, sondern nur, wo die Figur gerade steht; die Spielvariante entscheidet, was sie dort erlebt. Ob sich Sticker neu belegen oder für ein anderes Set verwenden lassen, beschreibt Playmobil nicht. Jede Welt soll „hunderte Audioinhalte“ bieten.

Wie das klingt, zeigen die Produktseiten an Beispielen. Auf dem Piratenschiff kleben die Sticker etwa am Steuerrad oder an der Kanone; nähert sich die Figur, donnern Kanonen und Piraten singen. In der Polizei-Kommandozentrale sitzen sie an Zellen, Verhörraum und Hubschrauberlandeplatz, dort ertönen Sirenen und Verbrecher fliehen. Auf dem Reiterhof sind es Stall, Futterplatz und Pferd, im Zoo Futterluken, Tiertafeln und der Löwe, der dann brüllt. Wie sich dieselbe Stelle in den vier Modi jeweils anhört, verraten die Seiten nicht.

Zwei Kinder spielen auf einem Teppich mit Playmobil-Zoofiguren, eine Tierpflegerin trägt einen grünen Audio-Rucksack
In der Zoowelt trägt eine Tierpflegerin den Rucksack. Pressebild: © PLAYMOBIL.

Die App braucht es nur vorher. Sie lädt die Inhalte über WLAN auf den Rucksack, legt Sprache und Stimme fest und verwaltet die Einstellungen. Zur Wahl stehen Deutsch, Englisch und Französisch sowie je Welt eine weibliche oder männliche Stimme. Gespielt wird danach offline. Laut Playmobil endet die WLAN-Verbindung, sobald der Rucksack vom Strom getrennt ist. Die interaktive Anleitung zeigt die Einrichtung in zwölf Schritten, vom App-Download bis zum Multi-Button, der den Rucksack einschaltet und die Lautstärke regelt.

Ein Rucksack kann mehrere Welten gleichzeitig speichern, auch in verschiedenen Sprachen. Das FAQ von Playmobil nennt als Beispiel die Piraten auf Deutsch mit männlicher Stimme und den Zoo auf Englisch mit weiblicher. Sollen zwei Figuren gleichzeitig sprechen, braucht jede einen eigenen Rucksack. Mehrere Rucksäcke reagieren in derselben Welt unabhängig voneinander auf die Sticker, miteinander sprechen sie nicht. Einen dauerhaften Überblick über das System gibt das Wiki-Lexikon zu PLAYMOBIL hi!.

Womit Playmobil startet

Die vier hi!-Welten sind keine neuen Spielsets. Sie bauen auf vier Sets auf, die es bereits gibt:

Verpackung des Playmobil-Sets Großes Piratenschiff 71530 Verpackung des Playmobil-Sets Polizei-Kommandozentrale 71873 Verpackung des Playmobil-Sets Großer Reiterhof 72127 Verpackung des Playmobil-Sets Zoo: Wildnis-Kletterpark 72070
Die vier Spielsets, auf denen die hi!-Welten aufbauen: oben Piratenschiff und Polizei-Kommandozentrale, unten Reiterhof und Zoo. Produktbilder: © PLAYMOBIL.

Mit den Piraten ist eine der ältesten Playmobil-Welten dabei, das erste Piratenschiff erschien schon 1978; die Polizei-Kommandozentrale gehört zu City Action. Daraus ergeben sich drei Wege zum Einstieg.

Wer noch keines der vier Sets besitzt, kann zu einem der Ready-to-Play-Sets greifen: Piraten 72366, Polizei 72367, Reiterhof 72365 oder Zoo 72368. Jedes enthält das Spielset, den Rucksack und die Sticker und kostet 189,99 Euro, das Zoo-Set 179,99 Euro.

Steht eines der vier Spielsets schon im Kinderzimmer, genügt das passende Activation Set: Piraten 72400, Polizei 72401, Reiterhof 72399 oder Zoo 72402. Jedes bringt für genau eine Welt den Rucksack, eine passende Hülle dafür und das Stickerheft mit, dazu eine Figur, und kostet 89,99 Euro. Sticker muss man dafür nicht extra kaufen, sie gehören laut FAQ zum Set; ein eigenes Stickerheft braucht es erst für eine weitere Welt. Das ist die eigentlich gute Nachricht an hi!: Ein vorhandenes Spielset bekommt eine neue Ebene, und bezahlt werden nur Rucksack und Sticker, nicht das Spielset ein zweites Mal.

Wer vor dem Kauf die Teilelisten auf den Produktseiten von Playmobil liest, sollte sich nicht verwirren lassen. Bei unserer Durchsicht, zuletzt am 22. Oktober, passten sie bei drei der vier Activation Sets nicht zum Set: Beim Activation Set Reiterhof steht der komplette Reiterhof samt Pferden in der Liste, wortgleich mit dem Ready-to-Play-Set. Beim Polizei-Set ist eine Reiterin genannt, beim Zoo-Set ein Polizist. Das scheinen Fehler in den Listen zu sein. Ein Activation Set enthält kein Spielset, das bestätigen Playmobils eigene Erklärung und der Preis von 89,99 Euro für alle vier. Verlässlicher scheinen die Kartonbilder zu sein: Das Polizei-Set zeigt eine Polizeifigur mit Rucksack, das Zoo-Set eine Tierpflegerin, also jeweils eine Figur aus der passenden Welt.

Verpackung des PLAYMOBIL hi! Activation Set Polizei 72401 mit Audio-Rucksack und Hinweis auf das separat erhältliche Set 71873
Das Activation Set enthält Rucksack, Hülle, Stickerheft und eine Figur; das Spielset 71873 kommt laut Karton separat hinzu. Pressebild: © PLAYMOBIL.

Rucksack und Stickerheft gibt es auch einzeln: den Rucksack 72248 für 69,99 Euro, das Stickerheft je Welt für 19,99 Euro (Piraten 72250, Polizei 72251, Reiterhof 72249 und Zoo 72252). Zusammen kosten beide 89,98 Euro, praktisch so viel wie ein Activation Set, und enthalten laut Lieferumfang auch dasselbe: Hülle und Figur liegen dem Stickerheft bei. Für den Einstieg macht es also keinen Unterschied, welchen Weg man wählt. Interessant wird der Einzelkauf bei der zweiten Welt: Der vorhandene Rucksack reicht, dazu kommt nur das Stickerheft der neuen Welt.

Im Ready-to-Play-Set ist das Spielset damit mit 100 Euro eingerechnet, beim Zoo mit 90 Euro. Wer neu einsteigt, kann es auch einzeln kaufen und das passende Activation Set dazunehmen. Ob das günstiger ist, hängt vom aktuellen Preis des Spielsets ab, den die verlinkten Produktseiten zeigen. Die genannten Preise sind unverbindliche Preisempfehlungen von Playmobil; was die 13 hi!-Artikel im Handel gerade kosten, zeigt die Übersicht zu Playmobil hi!.

Was Eltern vor dem ersten Spiel wissen sollten

Ein Mädchen spielt mit zwei Playmobil-Polizeifiguren vor der Polizei-Kommandozentrale, eine Figur trägt den Audio-Rucksack
Gespielt wird ohne Bildschirm; das Smartphone braucht es nur zum Einrichten. Pressebild: © PLAYMOBIL.

Playmobil empfiehlt hi! ab sechs Jahren; das klassische Sortiment beginnt schon bei vier. Die Einrichtung ist Sache der Erwachsenen und hat einige Voraussetzungen, die der Hersteller vor allem im FAQ und in der Anleitung nennt:

  • Die App gibt es kostenlos im App Store und bei Google Play. Sie läuft ab iOS/iPadOS 15, macOS 12 und Android 11. Während der Einrichtung muss man sich registrieren.
  • In den Datenschutzangaben der Stores nennt Playmobil bei Google Play keine erhobenen Nutzerdaten, im App Store nur Diagnosedaten, die nicht mit der Person verknüpft sind. Beides sind Selbstauskünfte des Herstellers; Apple weist ausdrücklich darauf hin, sie nicht geprüft zu haben.
  • Für den Download braucht es WLAN oder einen mobilen Hotspot. Öffentliche Netze unterstützt der Rucksack nicht. Der Download dauert ein bis fünf Minuten.
  • Geladen wird mit einem USB-C-Kabel an einem USB-Netzteil. Das Kabel liegt laut FAQ nicht bei, ein Netzteil nennt keiner der Lieferumfänge.
  • Der Akku hält bis zu fünf Stunden, je nach Nutzung.
  • Soll eine Welt eine andere Sprache sprechen, werden ihre Inhalte in der App gelöscht und in der neuen Sprache noch einmal heruntergeladen.
  • Neue Inhalte sollen sich laut den Produktseiten jederzeit über die App kaufen lassen. Welche das sind und was sie kosten, ist bisher nicht bekannt.

Der Rucksack allein spielt übrigens nichts ab. Ohne Sticker und passende Welt bleibt er stumm, wie das FAQ ausdrücklich festhält.

Was sich erst beim Spielen zeigt

Den Anlass liefert Playmobil gleich mit: In einer selbst beauftragten Umfrage unter 500 Eltern, die die Pressemitteilung wiedergibt, wünschen sich drei Viertel, dass ihr Kind häufiger ohne digitale Medien spielt. hi! soll die Antwort darauf sein: Technik, die nicht auf einen Bildschirm lenkt, sondern zurück in die Spielwelt. Ob das im Kinderzimmer aufgeht, wird die Zeit zeigen.

Zwei Mädchen schauen gespannt auf eine Playmobil-Reiterin mit Audio-Rucksack vor dem Reiterhof
So inszeniert Playmobil den Reiterhof. Ob die Begeisterung anhält, zeigt erst der Alltag. Pressebild: © PLAYMOBIL.

Einen ersten Eindruck gibt ein Spiele-Tipp von Radio F vom 16. Oktober: Peter Halm stellt das System dort in gut einer Minute vor, es funktioniere „technisch einwandfrei“ und sorge „für viele überraschende Momente“, Wertung fünf von sechs Würfelaugen. Einen ausführlichen unabhängigen Praxistest haben wir bis zum 22. Oktober nicht gefunden. Offen bleibt deshalb, was erst der Alltag über längere Zeit beantwortet: wie zuverlässig der Rucksack die Sticker erkennt, wie gut der kleine Lautsprecher klingt und wie lange die Inhalte überraschen, bevor sich Sätze wiederholen. Ebenso unklar ist, ob Playmobil weitere Welten plant und ob ältere Ausgaben von Piratenschiff oder Reiterhof mit den Stickern funktionieren. Die Stickerhefte tragen jeweils die Nummer eines der vier Sets.

Die Grundidee ist trotzdem leicht zu mögen. hi! ersetzt das Spielset nicht, sondern gibt ihm eine Stimme, und wer eines der vier Sets schon besitzt, kommt mit dem Activation Set vergleichsweise günstig hinein. Wie viel Spiel daraus entsteht, entscheidet am Ende das Kind, das die Figur durch die Welt führt.